Wie sich LBB-Flaig seinen Abgang vergolden liess – suedostschweiz.ch

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Über 800 000 Franken hat der ehemalige Direktor der Lenzerheide Bergbahnen, Rainer Flaig, im Geschäftsjahr 2009/10 als Entschädigung für seine Arbeit kassiert. Bei den Aktionären herrscht darüber alles andere als Freude.

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Von Hansruedi Berger

Lenzerheide. – Seit einem halben Jahr ist Rainer Flaig nicht mehr bei der Lenzerheide Bergbahnen AG (LBB). Trotzdem wird er an der Generalversammlung vom nächsten Samstag ein Thema sein. Denn dem Direktor wurde nach Meinung zahlreicher Aktionäre «die Trennung im gegenseitigen Einvernehmen» vergoldet.Schwarz auf weiss sind Flaigs Bezüge im Geschäftsbericht 2009/10 der LBB aufgelistet. Über 805 000 Franken hat der Ex-Direktor insgesamt von seinem Arbeitgeber kassiert. 354 000 als Grundlohn und knapp 63 000 Franken als variable Vergütung wurden Flaig als Lohn vergütet. Und weil er von der Gemeinde Vaz/Obervaz faktisch zum Rücktritt gezwungen wurde, gabs dazu noch eine Abgangsentschädigung von fast 390 000 Franken.

Nicht überall so grosszügig

Wenn man solche Zahlen sieht, wird schnell klar, wieso Flaig während seiner Zeit als LBB-Direktor wegen seiner Lohnpolitik nicht nur aus Mitarbeiterkreisen kritisiert wurde. Denn bei den tiefen Löhnen wurde das Sparpotenzial von der LBB-Geschäftsleitung zum Teil aussergewöhnlich gut genutzt …Für Aktionär Peter Alig, der in Zürich als Unternehmensberater tätig ist, sind Entschädigungen in einem solchen Ausmass für eine Bergbahngesellschaft dieser Grössenordnung jenseits von Gut und Böse. Er will das Thema deshalb an der Generalversammlung zur Sprache bringen.

«Normallohn» rund 200 000

Tatsächlich scheinen Bezüge wie im vorliegenden Fall für Bergbahndirektoren in Graubünden und wohl auch im Rest der Schweiz nicht die Regel zu sein. Allerdings sind Vergleichszahlen kaum vorhanden. Denn die Bahnen sind nicht verpflichtet, diese Bezüge in ihren Jahresberichten zu veröffentlichen. Es sei denn, sie sind, wie dies bei der LBB der Fall ist, an der Börse kotiert. Denn in einem solchen Fall besteht eine Publikationspflicht.Rund 200 000 Franken, so schätzen Experten, dürfte im Durchschnitt ein Direktor einer mittleren bis grösseren Bündner Bergbahn verdienen. Eine Zahl, die auch Silvio Schmid, Präsident des Branchenverbandes Bergbahnen Graubünden, für realistisch hält.Weshalb zahlt die LBB im Vergleich mit dem Rest der Branche eine derart hohe Entschädigung? LBB-Verwaltungsrat Christoph Suenderhauf verteidigt sich: «Wir hatten keine Wahl», sagt er. Die Verträge seien noch vom früheren Verwaltungsrat abgeschlossen worden. Bei der Abgangsentschädigung habe der neue Verwaltungsrat zwar noch einen «Rabatt» aushandeln können, doch mehr sei nicht zu machen gewesen. Zudem sei im Lohn eine Kaderversicherung in der Höhe von 100 000 Franken enthalten gewesen, die der Verwaltungsrat von seinen Vorgängern habe übernehmen müssen.

Niemand mag sich erinnern

Doch wer die «teureren Abmachungen» mit Flaig getroffen hat, ist gegenwärtig nicht auszumachen. Benno Burtscher, Verwaltungsratspräsident bis zum Frühjahr 2005, betont, dass Flaig «zu den in der damaligen Zeit marktüblichen Bedingungen» entschädigt worden sei. Eine vertragliche Regelung über eine allfällige Abgangsentschädigung habe es nicht gegeben. Und Marcus Gschwend, der als Gemeindepräsident von Vaz/Obervaz und damit als Vertreter der Hauptaktionärin die Entmachtung von Burtscher organisiert hatte, kann sich nach eigenen Angaben an Vertragsformalitäten mit Flaig nicht erinnern.Zwar möchte auch Alig gerne wissen, wer Flaigs «goldene» Verträge abgesegnet hat, doch spricht er den jetzigen Verwaltungsrat nicht von einer gewissen Schuld frei. «Ein guter Verwaltungsrat findet Möglichkeiten, solche Verträge neu zu regeln», gibt der auf der Lenzerheide aufgewachsene Treuhänder zu bedenken. Er habe bereits vor einem Jahr an der Generalversammlung auf die ungewöhnlich hohe Entlöhnung von Flaig hingewiesen.Dass man auch bei der LBB den Eindruck hat, Flaigs Lohn sei nicht gerade marktüblich gewesen, zeigt sich bei dessen Nachfolger: Thomas Hunziker muss sich laut Suenderhauf mit einem Grundlohn von rund 210 000 Franken zufriedengeben.

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