TOURISMUS | Wird mit den Datensätzen von Gästen aus dem Saastal Handel betrieben? Saaser Gästeadressen nach Österreich verkauft? – Walliser Bote 3.11.16

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Quelle: https://www.1815.ch/news/wallis/aktuell/saaser-gaesteadressen-nach-oesterreich-verkauft-20161103-0/

Unter Beschuss. Haben die Saastal Bergbahnen dazu eingewilligt, dass Datensätze ihrer Kunden für andere Zwecke verwendet werden dürfen? 

HANDOUT – Bergbahn Felskinn in Saas-Fee. (PHOTOPRESS/Saas-Fee)

Saastal. Die Saastal Bergbahnen bewerben ihre Aktion der Saison-Skipässe für 222 Franken in Zusammenarbeit mit der Mountain Marketing AG, die in österreichischer Hand ist. Es wird der Vorwurf erhoben, dass diese Firma die während der Aktion gewonnenen Datensätze fünf Jahre lang bewirtschaften darf.

Unter der Aktionswebseite «we-make-it-happen.ch» bietet die Mountain Marketing AG ein Sonderangebot an, das sich auf die Saison-Skipässe der Saastal Bergbahnen bezieht. Aufgefordert werden sowohl potenzielle Skigäste als auch die Hoteliers und Pistenbetreiber der Region, bis zum 27. November 99999 Skipässe zu kaufen, um vom Aktionspreis von 222 Franken pro Saisonkarte profitieren zu können.

Touristische Datensätze sind reine Goldgruben

Wird diese sehr hohe Zahl von buchungswilligen Abonnenten nicht erreicht, platzt das Angebot und die Aktion kommt nicht zustande. So weit, so gut. Von anonymer Seite, die aber erstaunlich viel Insiderwissen über die Marketing-Aktivitäten im Saastal haben muss, wird nun aber vorgeworfen, dass die während der Aktion gewonnenen Datensätze der buchungswilligen Gäste künftig weiter benutzt werden sollen. Und zwar von der Mountain Marketing AG, deren Muttergesellschaft die in Österreich angesiedelte Alturos AG ist. Es wird kritisiert, dass die Datensätze künftig dazu benutzt werden, Werbung für andere touristische Destinationen als dem Saastal zu machen. Zum besseren Verständnis: Datensätze von Gästen sind in der touristischen Werbeindustrie reine Goldgruben. Wer sich beispielsweise für die Saison-Abonnement-Aktion der Saastal Bergbahnen interessiert, hinterlässt nicht nur seine Kontaktdaten, sondern hat gleichzeitig unter Beweis gestellt, dass er sich sehr für den Wintersport im Alpenraum interessiert. Dank solcher Datensätze kann touristisches Marketing sehr gezielt betrieben werden, ohne den üblichen hohen Streuverlust in Kauf nehmen zu müssen.

Happige Vorwürfe

Die Vorwürfe, die an die Saastal Bergbahnen gerichtet werden, sind happig: «Was am Ende übrig bleibt, ist eine Riesen-Adresssammlung, die bei der Mountain Marketing AG in Österreich verbleibt und entsprechend dem gültigen Vertrag mit der Saastal Marketing AG zumindest über einen Zeitraum von fünf Jahren völlig unkontrolliert und frei genutzt werden kann. Ohne Einschränkungen. Da liegt schon der Gedanke nahe, dass mit diesem gewaltigen Adressbestand nicht nur Gäste aus dem Saastal beispielsweise nach Österreich oder in andere Regionen abgeworben werden können und sollen. Auch der Handel mit diesen Adressen ist entsprechend der unkontrollierten Nutzung durchweg möglich», schreibt die anonyme Quelle, die darüber hinaus behauptet, selbst gesehen zu haben, dass die Saastal Marketing AG dem Fünfjahresdeal mit der Mountain Marketing AG zugestimmt hat.

Geschädigt wären die Ferienanbieter im Saastal

Stimmen die happigen Vorwürfe tatsächlich, liegt es auf der Hand, dass sämtliche Anbieter von Ferienangeboten im Saastal die Geschädigten wären. Sie müssten wohl in den kommenden Jahren mit einem Rückgang von Buchungen rechnen, wenn die Mountain Marketing AG die gesammelten Kontaktdaten tatsächlich dazu nutzen darf, andere Regionen und Angebote zu bewerben. Kommt hinzu, dass sich viele potenzielle Gäste enttäuscht von der Ferienregion Saastal abwenden könnten, wenn sie merken, dass mit ihren Kontaktdaten ein schwunghafter Handel läuft. Und dass ein solcher Handel durchaus lukrativ sein kann, veranschaulicht allein die Tatsache, dass ein einziger Datensatz einem Gegenwert von um die fünf Euro oder Franken entspricht. So viel Geld wird für die begehrten Datensätze in der Praxis bezahlt. Bis zum heutigen Tag sind dank der Aktion bereits fast 20500 Datensätze gewonnen worden. Die Aktion läuft aber noch bis zum 27. November, es dürften noch einige Tausend hinzukommen. Stimmt der Vorwurf von anonymer Seite, so kann die Mountain Marketing AG mit diesen Tausenden von Datensätzen auch ganz ohne Gegenleistung einen riesigen Gewinn einfahren, einfach indem sie diese Datensätze an verschiedene Destinationen verkauft. Sehr zum Schaden der gesamten Destination Saastal.

Dass die Alturos AG, die Dachgesellschaft der Mountain Marketing AG, tatsächlich touristische Datensätze weiterverwendet, hat sie bereits im letzten Jahr in Saas-Fee unter Beweis gestellt.

Daten sind bereits verkauft worden

Die Firma Skiline, auch sie eine Tochter der Alturos AG, hatte im letzten Jahr ein Angebot, das es Touristen ermöglichte, über eine Rennpiste mit Zeitmessung zu fahren. Kameras filmten die Teilnehmer auf der gesamten Rennstrecke vom Start bis ins Ziel. Am Ende erhielten die Benutzer ihre Bestzeit und ein professionelles Video von ihrem Lauf, das sie ganz einfach mit ihrer Skipassnummer unter «www.skiline.cc» oder in der Skiline-App ansehen konnten. Das Problem dabei: Wenige Wochen später erhielten die auf diese Weise registrierten Rennteilnehmer urplötzlich Werbemails. Und zwar für Weine aus… Österreich.Werner Koder03. November 2016, 07:21

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