TOURISMUS | Die Saastal Bergbahnen vor einer wegweisenden Generalversammlung Auslegeordnung mit Fragezeichen – Walliser Bote 10.03.17

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Quelle: https://www.1815.ch/news/wallis/aktuell/auslegeordnung-mit-fragezeichen-20170310-0/

Bergwärts. Die neue Spielbodenbahn als Wegweiser in eine gute Zukunft. Das Potenzial gilt in Saas-Fee als gegeben. 
Foto: Walliser Bote

SAASTAL |Der Geschäftsabschluss der Saastal Bergbahnen per 31. Oktober 2016 ist solide. Die seither lancierte Wintercard-Aktion weckt Euphorie. Doch es gibt auch warnende Stimmen.

Skilegende Pirmin Zurbriggen, seit einem Jahr Verwaltungsratspräsident der Saastal Bergbahnen AG, gibt sich mit Blick auf die Generalversammlung vom kommenden Freitag in seinem Saas-Almagell zuversichtlich. Im Editorial zum Geschäftsbericht 2015/2016 erläutert er zusammen mit dem VR-Delegierten und CEO Rainer Flaig, was in Saas-Fee alles unternommen wurde, um den schwierigen Bedingungen in der Branche zu trotzen. Und das war einiges. Denn Schneesicherheit und tadellose Pis-ten, stets schon ein Trumpf des hochgelegenen Skigebietes von Saas-Fee (1800 – 3500 m), garantierten mittlerweile keinen Erfolg mehr.

Die Aussichten haben sich in den vergangenen Jahren verschlechtert. Die rückläufige Entwicklung ist alarmierend. So verloren die Saastal Bergbahnen seit 2008 fast 40 Prozent der Skier Days. Beim Umsatz machte sich das durch einen Rückgang von 7,5 Millionen Franken bemerkbar. Der Nettoerlös ging im vergangenen Geschäftsjahr um fast acht Prozent auf 20,2 Millionen Franken zurück. Im Winter fehlte ein Umsatz von zwei Millionen Franken. Die Saastal Bergbahnen schrieben in den letzten fünf Jahren kumuliert einen Verlust von über zehn Millionen Franken.

Potenzial ausschöpfen

Die Gründe dafür sind nicht (nur) hausgemacht und wurden in dieser Zeitung schon dutzendfach aufgeführt: Hohes Preisniveau, Euro-Mindestkurs, verändertes Reise-, Ferien- und Freizeitverhalten bereiten den heimischem Tourismus-Betrieben grosse Sorgen. Sie müssen sich mit den von aussen diktierten Rahmenbedingungen zurechtfinden. Das heisst: Strukturen und Angebote anpassen – und sparen.

Im Rechenschaftsjahr 2015/2016 wurde deshalb nochmals ein Effizienzsteigerungsprogramm lanciert, das dritte in fünf Jahren. Der Erfolg blieb nicht aus: Die Unternehmung fand Optimierungspotenzial von einer Million Franken und setzte beachtliche 800000 Franken davon um. Die Saastal Bergbahnen zählen heute nach eigener Einschätzung national zu den effizientesten Betrieben der Branche. Das sei Voraussetzung, um sich zu einer der bedeutendsten Destinationen der Alpen entwickeln zu können, heisst es im Geschäftsbericht. Das Potenzial dazu sei im Saastal vorhanden.

Spielbodenbahn und Wintercard-Aktion

Ein Schritt dazu war der Bau der neuen Spielbodenbahn im vergangenen Sommer. Sie konnte just auf die Wintersaison 2016/2017 eröffnet werden. Ein anderer war die Lancierung des einmaligen Hammerdeals nach dem Motto «wer nichts bewegt, der wird bewegt». 75000 Personen lösten bis Dezember 2016 eine Winter-Saisonkarte für sagenhaft günstige 222 Franken. Diese international vielbeachtete Marketing-Aktion spülte den Saastal Bergbahnen schon zu Beginn der Saison 16,65 Millionen Franken in die Kasse. Damit konnte die neue Spielbodenbahn (20 Millionen) beinahe cash bezahlt werden. Die Finanzierung dieses Bauwerkes kam aber auf anderen Wegen zustande. Nach hartem, zweijährigen Ringen stand sie fest: Sieben Millionen Franken wurden als neues Eigenkapital gezeichnet, je zu einem Drittel halfen Staatsgelder und ein Bank-Leasing.

Neue AK-Erhöhung

Also kann nach Milchbüchlein die Unternehmung mit vollen Kassen das nächste Projekt angehen. Am 31. August 2018 läuft nämlich die Konzession der Hannigbahn endgültig aus. Es gilt als erklärtes Ziel des Verwaltungsrates, diese zu ersetzen. Sie gilt als wichtiges Standbein für Nichtskifahrer und Funsportarten. Doch das mit dem Milchbüchlein funktioniert so nicht. Zur Finanzierung der Hannigbahn wird den Aktionären an der GV 2017/2018 deshalb eine erneute ordentliche Aktienkapitalerhöhung vorgeschlagen.

Nach dem mühsamen Kraftakt für die Finanzierung der Spielbodenbahn bezweifeln Kritiker, dass die Lust gross ist, hier nochmals frisches Geld zu zeichnen. Zuletzt machte die Gruppe «IG Perle der Alpen» die Realisierung der Spielbodenbahn möglich, indem sie 2,7 Millionen Franken zusammenbrachte.

Kritik an der Rechnungslegung und…

Das Tempo der Entwicklung lässt die am Freitag präsentierten Geschäftszahlen 2015/2016 schon fast zum «kalten Kaffee» werden. Interessanter wäre für die Aktionäre, mehr über den Erfolg und die Aussichten der Wintercard-Aktion zu erfahren. Rückblickend tauchen trotzdem kritische Fragen auf. Beispielsweise bezüglich der verminderten Abschreibungen. Mit 6,7 Millionen Franken liegen diese 2015/2016 rund 1,8 Millionen Franken unter dem Schnitt der Jahre 2008 bis 2014. Der reduzierte Abschreibungssatz sei mit Blick in die Zukunft die falsche Strategie, schiebe Probleme auf, statt sie zu lösen, heisst es dazu. So stünden die über 20-jährigen Anlagen Alpin-Express I und II noch mit 13 Millionen Franken in den Büchern und auch die mittlerweile 32-jährige Metro-Alpin sei noch nicht vollständig abgeschrieben. Ferner geben die in den Nebenerträgen aktivierten Eigenleistungen von 868000 Franken zu reden. Diese seien angesichts aller ausgelagerten Arbeiten beim Bau der Spielbodenbahn schlecht zu rechtfertigen. Mit anderen Worten: Hätte man mit der Rechnungsdarlegung nicht in die Trickkiste gegriffen, läge der Verlust statt bei 135000 Franken bei rund zwei Millionen Franken.

…an der Machtposition von Rainer Flaig

Kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch die Machtposition von CEO Rainer Flaig. In seiner dreiköpfigen Geschäftsleitung würden die kritischen Geister zum Querdenken fehlen. Zudem könne Flaig als VR-Delegierter auf die strategischen Entscheidungen direkten Einfluss nehmen. Das müsse korrigiert werden. In Kreisen der «IG Perle der Alpen» sei diese Machtposition ein Grund gewesen, überhaupt erst Geld zu zeichnen für die AK-Erhöhung zugunsten der Spielbodenbahn. Heute stelle man dort fest, dass aus den Versprechungen wie das Fordern einer ausserordentlichen GV, einer Statutenänderung, eines Vergütungsreglements, eines Organsationsstatuts und Ersatzwahlen in den Verwaltungsrat nichts geworden sei.

Gegenüber dem WB wollte dazu von den Kleinaktionären niemand konkret Stellung nehmen. Verwiesen wurde lediglich auf eine Kleinaktionärsversammlung, die am Donnerstagabend in Saas-Fee stattfinden soll. Einen Tag vor der GV in Saas-Almagell soll dort ausführlich Bericht erstattet werden. So oder so scheint aber wohl den meisten klar, dass Bergbahn-Aktien nicht als Anlagewerte, sondern als Liebhaberobjekte erworben werden, auf deren Dividende besser nicht gebaut wird.

In den letzten Tagen hörte man in Saas-Fee auch laute Kritik an der Entschädigung von Rainer Flaig. Er sei – etwa auch im Vergleich zu Markus Hasler in Zermatt – fürstlich gehalten und könne zusätzlich zum Salär mit satten Boni rechnen, derweil langjährige verdiente Mitarbeiter möglichst knapp gehalten würden. Die Schere zwischen Geschäftsleitung und der Basis gehe immer mehr auseinander. Die schlechte Stimmung bei den Kleinaktionären widerspiegle sich so in jener der Mitarbeiter.

Veränderte Eigentumsverhältnisse

Interessant ist laut Geschäftsbericht der Saastal Bergbahnen die Veränderung der Aktionärsstruktur seit der Aktienkapitalerhöhung 2016. Edmond Offermanns Anteil reduzierte sich im letzten Jahr von 39,04 Prozent auf 33,01 Prozent. Obwohl er für die Spielbodenbahn keine Aktien zeichnete, ist und bleibt er damit grösster Einzelaktionär. Die öffentliche Hand von Saas-Fee (Gemeinde und Tourismusverein) hält jetzt 31,33 Prozent (vorher 30,76%). Die verbleibenden 36,23 Prozent teilen sich auf zahlreiche Kleinaktionäre auf, darunter diverse Gruppierungen wie Lieferanten, Einheimische und Zweitwohnungsbesitzer mit nennenswerten Aktienpaketen. Sie sehen es laut uns zugetragenen Stimmen als Ziel, den Einfluss der Saaser im «eigenen» Unternehmen wieder zu stärken.

Wintercard: wie weiter?

Die Wintercard-Aktion wird im Geschäftsbericht kurz im Ausblick kommentiert. Sie begann auch erst nach dem Geschäftsabschluss per 31. Oktober 2016 zu wirken. Der «Hammerdeal» wird im nächsten Winter bekanntlich nochmals durchgeführt. Bis gestern Nachmittag um 16.00 Uhr hatten sich 4046 Personen für den Kauf einer Wintercard 2017/2018 entschieden. Soll die Strategie aufgehen, sind dafür in diesem Jahr 77777 Abokäufer gefragt.

Offen ist die Frage, wie man aus dieser «Aldi-Strategie» wieder zu einer eigentlich notwendigen Wertschöpfung zurückfindet, die das Produkt Saas-Fee auch verdient. Es dürfte schwierig sein, jene touristischen Leistungsträger, die jetzt von den höheren Frequenzen direkt profitieren, zu überzeugen, etwas davon an die Bergbahnen abzutreten.Thomas Rieder10. März 2017, 00:00

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