TOURISMUS | Nach Hammerdeal: Paukenschlag bei den Saastal Bergbahnen Edmond Offermann will weitere 12 Mio. investieren – Walliser Bote 23.03.2018

0
638

Quelle: https://www.1815.ch/news/wallis/aktuell/edmond-offermann-will-weitere-12-mio-investieren-20180323-0/

Enttäuscht. Edmond Offermann: «Dringende und überlebenswichtige Schritte müssten bei den Saastal Bergbahnen raschestens eingeleitet werden.» 
Foto: wb

Edmond Offermann, Hauptaktionär Bergbahnen Saas-Fee

Saas-Fee. Nach einem Investment von über 45 Mio. Schweizer Franken will Edmond Offermann zur Absicherung seiner Investments weitere 12 Mio. in die Saastal Bergbahnen AG investieren, wie er gestern Abend schriftlich mitteilte.

Er glaube seit vielen Jahren stark an die Destination Saas- Fee und sehe die Region absolut unter den Top 3 der wichtigsten Tourismusdestinationen. Der Erfolg der Destination, der Hotellerie, Gastronomie und Wirtschaft sei untrennbar mit dem Erfolg der Bergbahnen verknüpft. Seit vielen Jahren jedoch gingen die verkauften Fahrten und der Umsatz der STB aus diversen Gründen stark zurück.

Finanzierung aus flüssigen Mitteln nicht möglich

In den letzten acht Jahren hat Edmond Offermann mehr als 45 Millionen Franken in die Bergbahnen und in die Hotellerie in Saas-Fee investiert, führt erfolgreich mehrere Hotels und ist Mehrheitsaktionär der STB AG: «Ich habe grosses Interesse an einem gut florierenden Saas- Fee und werde mein Hotelengagement in den nächsten Jahren noch weiter massiv ausbauen. Um jedoch die Tourismusdestination tatsächlich weiterzubringen, benötigen die Bergbahnen dringend frisches Kapital. Ich bin bereit, weitere 12 Millionen Franken in die STB AG zu investieren, um diese‹fit für die Zukunft›zu machen–und habe dies dem Verwaltungsrat vor wenigen Wochen offiziell mitgeteilt.» Das frische Kapital sei vor allem notwendig, um dringende Ersatzinvestitionen und strategische Schlüsselinvestitionen zu ermöglichen. Die Beschneiung müsse drastisch ausgebaut werden, die Gastronomie ebenfalls und die alten Schlepplifte seien dringend zu modernisieren. Eine Finanzierung aus den liquiden Mitteln sei nicht mehr möglich und weitere Finanzierungen durch Banken seien unbedingt zu vermeiden bzw. müssten bestehende Kredite nun auch sukzessive abgelöst werden.

Harsche Kritik an Verwaltungsräten

«Bereits 2013 legte ich ein Strategiepapier vor, welches Massnahmen zur Sanierung und Gesundung der Unternehmung zeigt. Dieses wurde bisher jedoch ignoriert und in keinem Punkt umgesetzt. Die folgenden Jahre zeigten, dass die gewählte Strategie der STB immer wieder scheiterte, dennoch war eine Diskussion der von mir vorgelegten Strategie kein Thema», so Offermann und sagt weiter: «Auch als in Retrospektive belegt werden konnte, dass meine Strategie in den besagten Situationen zu einem besseren Ergebnis geführt hätte, wurden diese Einwände negiert.» Dringende und überlebenswichtige Schritte müssten bei der Bergbahnen AG (STB) raschestens eingeleitet werden. So seien die Aktien der Saastal Bergbahnen AG derzeit drastisch überbewertet. Des Weiteren müsse das Anlagevermögen dringend neu bewertet werden, da es mit viel zu hohen Werten in den Büchern stünde.

Offermann will Aktienmehrheit

«Trotz des Engagements des jeweiligen Verwaltungsratspräsidenten und des CEO Rainer Flaig konnten in der Vergangenheit wichtige Entscheide bzw. Investitionen nicht umgesetzt werden. Grund dafür ist, dass jeder Verwaltungsrat die unterschiedlichen Interessen bestimmter Aktionäre vertrat und dies zu einer ständigen Blockade bei der Beschlussfassung von wichtigen zukunftsentscheidenden Themen führte», übt Offermann harsche Kritik.

Das weitere Investment in Höhe von 12 Mio. Franken würde Offermann die Aktienmehrheit an der Saastal Bergbahnen AG verschaffen. «Das hätte vor allem den Vorteil, dass die dringend notwendigen Weichen für die Zukunft endlich gestellt werden können und Managemententscheidungen deutlich rascher und nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten getroffen werden können», so Offermann. Vor allem müssten der Verkauf und das Marketing der Saastal Bergbahnen darauf ausgerichtet werden, die Umsätze und Erträge deutlich zu erhöhen, um für die Zukunft fit zu sein. Denn durch eine gesunde starke moderne Bergbahngesellschaft würden auch viele Hoteliers motiviert, ihre zum Teil in die Jahre gekommenen Zimmer zu renovieren bzw. sogar eine ganze Reihe von neuen modernen Komfortbetten in der Region zu bauen.

Gemeindepräsident hatte keine Kenntnis

Nebst Offermann (32 Prozent) ist die Gemeinde mit 26 Prozent die grösste Aktionärin der Saastal Bergbahnen AG. Wie Gemeindepräsident Roger Kalbermatten auf Anfrage bestätigt, hatte er keine Kenntnis von Offermanns Communiqué: «Ich kann das daher auch nicht kommentieren.»

Fest steht, dass Saas-Fee bislang keinen alleinigen Hauptaktionär wollte, um nicht die Kontrolle über die Bergbahnen zu verlieren. Offermann übernahm damals lediglich das Aktienpaket der Compagnie des Alpes und hat dieses bis heute inne. «Am 13. April 2018 beschliesst die Generalversammlung der Saastal Bergbahnen, ob es eine Aktienkapitalerhöhung geben wird. Alles, was da vor der GV gesagt wird, ist reine Spekulation», so der Gemeindepräsident.

Fakt ist, dass die Konzession der Hannigbahn dieses Jahr ausläuft und die Zeit eilt. Schliesslich muss die Ersatzbahn bis zur kommenden Wintersaison realisiert werden. Nach dem mühsamen Kraftakt für die Finanzierung der Spielbodenbahn bezweifeln Kritiker, dass die Lust im Dorf gross ist, hier nochmals frisches Geld zu zeichnen. Zuletzt machte die Gruppe «IG Perle der Alpen» die Realisierung der Spielbodenbahn möglich, indem sie 2,7 Millionen Franken zusammenbrachte. VR-Präsident Pirmin Zurbriggen seinerseits wollte sich am Donnerstagabend auf Anfrage nicht konkret zum Angebot von Offermann äussern und sagte nur so viel: «Der Verwaltungsrat wird die Offerte wie auch andere Angebote prüfen und seine diesbezüglichen Entscheide beziehungsweise Empfehlungen zum Wohle der gesamten Destination vor der GV publik machen.» Gleichzeitig aber zeigte sich Zurbriggen erfreut darüber, dass Aktionäre an Investitionen in die Saastal Bergbahnen AG Interesse bekunden. «Das zeugt davon, dass die Bergbahnen Saastal in den letzten Jahren einen guten Job gemacht haben.»zen/mk23. März 2018, 00:00

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein