COMPAGNIE DES ALPES | Engagement der Franzosen mit Höhen und Tiefen Ein gescheiterter Putsch und ein freiwilliger Abgang – Walliser Bote 24.03.2018

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Quelle: https://www.1815.ch/news/wallis/aktuell/ein-gescheiterter-putsch-und-ein-freiwilliger-abgang-20180324-0/

Historisch. An der ausserordentlichen GV im Januar 2001 legte Jean-Pierre Sonois, VR-Präsident der CDA, die Strategie der Franzosen dar. Zuerst gefeiert, wurden die Franzosen später «vertrieben». 
Foto: Keystone

Jean-Pierre Sonois, Praesident der franzoesischen Compagnie des Alpes SA, aufgenommen am 18. Januar 2001 in Saas-Fee. Die SwissAlp SA, eine Tochtergesellschaft der Compagnie des Alpes SA, wird groesste Aktionaerin der Luftseilbahnen Saas-Fee. Um dies zu ermoeglichen, stimmten die Aktionaere heute einer Aktienkapitalerhoehung und der Schaffung einer Einheitsaktie zu. (KEYSTONE/Andree-Noelle Pot) ===ELECTRONIC IMAGE===

Saas-Fee. Der nun drohende Machtkampf um die Bergbahnen in Saas-Fee ist ein Déjà-vu. Vor zehn Jahren war die Compagnie des Alpes (CDA) in der Rolle Offermanns. Die Franzosen zogen sich 2009 zurück.

Am 18. Januar 2001 wurden die Luftseilbahnen Saas-Fee AG in Saas-Fee Bergbahnen AG umbenannt. Wichtiger an dieser ausserordentlichen GV war allerdings der Einstieg der Compagnie des Alpes (CDA). Das Engagement der Franzosen, das im Vorfeld für viel Diskussionsstoff sorgte, ging glatt über die Bühne, in nur 58 Minuten. Beschlossen wurde auch, das Aktienkapital von sieben auf 14 Millionen zu erhöhen. Letztlich kamen 8,6 Millionen Franken an neuem AK zusammen, 6,9 Millionen Franken brachte die SwissAlp, die Tochtergesellschaft der CDA. Die Compagnie des Alpes hatte damit einen Anteil am AK von 35 Prozent.

Die Franzosen waren die Rettung für die Bergbahn. 2000 Briefe verschickte der damalige VR-Präsident Hubert Bumann, nur 150 «Investoren» zeigten Interesse. Kaum mehr als 1,5 Millionen Franken wären so zusammengekommen. Bei der zweiten Kapitalerhöhung im Jahr 2004 schoss die SwissAlp «nur» noch 4,6 Millionen Franken ein. Die anderen Aktionäre 5,2 Millionen Franken. Damit hielt die SwissAlp 41 Prozent des AK, insgesamt 11,5 Millionen Franken.

Finanziell hing die Gesellschaft in den Seilen. Für das Geschäftsjahr 2000 wies man an der gleichen GV einen Ertrag von 24,6 Millionen Franken aus, der Aufwand betrug 17,9 Millionen Franken. Der Cashflow belief sich auf 6,4 Millionen Franken. Per Ende 2000 verfügte man über Eigenkapital von knapp elf Millionen Franken. Das Fremdkapital betrug 80 Millionen Franken.

Zwei Jahre hielten sich die Franzosen zurück. Nach dem Rückzug von Hubert Bumann krempelten sie auch die Direktion um, setzten Klaus Zurschmitten als VR-Präsidenten ein. 2003 erzielte man einen Verkehrsertrag von 26,2 Millionen Franken. Das war damals das zweitbeste Ergebnis aller Zeiten nach 1994, wo man einen Ertrag von 27,7 Millionen Franken erreicht hatte. Der Cashflow stieg auf 8,7 Millionen Franken. Dies war der höchste je erzielte Cashflow in der Geschichte der Saas-Fee Bergbahnen AG. Das Eigenkapital stieg auf 19,6 Millionen Franken. Das Fremdkapital konnte bis 2005 auf 47 Millionen Franken reduziert werden.

«Das Volk macht Druck»

Trotzdem formierte sich 2006 Widerstand gegen die Franzosen. Die Gemeinde Saas-Fee, mittlerweile auch finanziell wieder besser im Saft, zeigte wieder grösseres Interesse an der Bergbahn. Drei Wochen vor der GV trafen sich über 100 Kleinaktionäre, um ihre Strategie zu koordinieren. «Das Volk macht Druck», sagte der damalige Gemeindepräsident Felix Zurbriggen. Grund war ein «gewisses Unverständnis gegenüber der Strategie der CDA», teils auch Unmut gegenüber der Geschäftsführung. Aus der Sicht touristischer Leistungsträger vor Ort reagierten die Bahnen nicht genügend flexibel auf den ersten Schneefall Anfang Dezember und den darauf zu erwartenden Gästeansturm. Man wollte bei der Bahn wieder «das Sagen» haben.

Die Hoffnungen der Kleinaktionäre wurden nicht erfüllt, der Putsch misslang. Mehr als 45 Prozent der Stimmen konnte man nicht vereinen. Klaus Zurschmitten gab das Präsidium im Januar 2007 ab, neuer VR-Präsident wurde Stefan Imboden, heute Vizepräsident der Walliser Kantonalbank.

Im Oktober 2009 zog sich die Compagnie des Alpes dann aus dem Wallis zurück. Nebst Saas-Fee war sie auch in Verbier und auf der Riederalp engagiert. Ein Einstieg bei den Belalp Bahnen scheiterte in letzter Minute. In Saas-Fee hinterliess man ein saniertes Unternehmen. Den Abschied hat man sich mit 16 Millionen Franken versüssen lassen. Auch wenn am Ende viele froh waren, ohne die CDA wären die zwei Kapitalerhöhungen nicht möglich gewesen.

Rauswurf von Bumann, Furger und Anthamatten

Für die CDA übernahm aber wieder ein Auswärtiger. Edmond Offermann, ein amerikanisch-holländischer Doppelbürger und Freund von Saas-Fee, beteiligte sich mit 15 Millionen Franken am Rückkauf der CDA-Aktien. Seither hat er gemäss eigenen Angaben 45 Millionen in Saas-Fee investiert, den Grossteil allerdings in die Hotellerie, aber auch viel Geld in die Bergbahnen. Mit 32,6 Prozent ist er der grösste Aktionär. Das AK der Bergbahnen beläuft sich auf 28,4 Millionen Franken.Das Köpferollen ging aber auch unter Offermann weiter. Claude Bumann wurde im Januar 2010 als neuer VR-Präsident gefeiert. Die Schulden beliefen sich «nur» auf 40 Millionen Franken. Im April 2010 wurde mit Rainer Flaig ein neuer CEO engagiert. An der GV im März 2012 liess Offermann dann seine Muskeln spielen, ersetzte die drei nicht mehr willkommenen Verwaltungsräte Claude Bumann, Peter Furger und Beat Anthamatten. VR-Präsident wurde der Berner Marc Nufer, 2016 übernahm dann Pirmin Zurbriggen.hbi24. März 2018, 08:46

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