BERGBAHNEN | Roger Kalbermatten zieht seine Präsidentschaft nach drei Wochen zurück «Man kann nicht gleichzeitig drei Hüte tragen» – Walliser Bote 19.07.18

0
472

Quelle: https://www.1815.ch/news/wallis/aktuell/10437/

SAAS-FEE | Roger Kalbermatten steht den Saastal Bergbahnen nicht länger als Präsident zur Verfügung. Er hat auf die nächste Generalversammlung seinen Rücktritt eingereicht. Das nur drei Wochen nach Übernahme der Präsidentschaft. Potenzielle Investoren sollen für den Einstieg bereitstehen.

Roger Kalbermatten, Gemeindepräsident Saas-FeeAufnahme: Januar 2013

Das wird also ein kurzes Gastspiel. Ende Juni erst hatte Gemeindepräsident Roger Kalbermatten, von Amtes wegen im Verwaltungsrat der Saastal Bergbahnen (STB), das verwaiste Präsidium von Pirmin Zurbriggen übernommen, nachdem dieser per 1. Juni seinen sofortigen Rücktritt eingereicht hatte. Nur wenige Wochen später ist für Kalbermatten klar, dass er die STB AG auch nur kurzfristig, als Übergangslösung, führen will: «Es gibt da Interessenkonflikte», sagt Kalbermatten. Deshalb habe er sich in Absprache mit dem Gemeinderat entschlossen, das VR-Präsidium auf die nächste Generalversammlung zur Verfügung zu stellen. Diese dürfte voraussichtlich im Frühherbst dieses Jahres stattfinden.

Es galt, das Unternehmen führungsfähig zu halten

Die Gemeinde ist die zweitgrösste Aktionärin der Bahn, zudem ist Kalbermatten VR-Präsident der Raiffeisenbank Mischabel-Matterhorn. «Da ergeben sich Schnittstellen, die der Sache nicht dienlich sind», sagt Kalbermatten. Oder mit anderen Worten: «Man kann nicht gleichzeitig drei Hüte aufhaben». Das wusste Kalbermatten schon vor der Übernahme des STB-Präsidiums vor knapp einem Monat. Nach dem verwaisten VR-Präsidium galt es aber, die Unternehmung auf der strategischen Ebene führungsfähig zu halten, zumal neben Zurbriggen auch Rainer Flaig als Delegierter des Verwaltungsrates nicht mehr zur Verfügung stand. Dem Direktor war im Interesse einer Machtentflechtung nahegelegt worden, sein Amt als Verwaltungsratsmitglied aufzugeben. Damit war der fünfköpfige VR auf drei Mitglieder geschrumpft.

Neben Präsident Kalbermatten gehören ihm aktuell noch Edmond Offermann als grösster Aktionär sowie Treuhänder Oskar Supersaxo an. Und das funktioniert? «Ja», so Kalbermatten. «Wir stehen fast täglich miteinander in Kontakt.»

Die Interessen im Interesse aller klären

Der bei der STB AG schriftlich deponierte Rücktritt steht laut Kalbermatten in keinem direkten Zusammenhang mit der derzeit offenen Zukunft des Bahnunternehmens. Vielmehr gehe es um eine Klärung der Interessen. Diese hätten sonst mittelfristig Probleme ergeben. Bis zur im Raum stehenden ausserordentlichen GV werde er die Gesellschaft weiterhin führen. Diese dürfte anberaumt werden, sobald der Sanierungsplan klar ist. Bekanntlich wurde an der ordentlichen GV im April von der Aktionärsmehrheit das Konzept des Verwaltungsrates verworfen, die Gesellschaft mittels Kapitalschnitt und anschliessender AK-Erhöhung wieder auf Vordermann zu bringen. Dagegen wehrte sich letztlich mit Offermann auch der grösste Einzelaktionär. Offermann hält rund 33 Prozent der STB-Aktien, die Gemeinde Saas-Fee 30 Prozent.

Die Zeit für eine
Sanierung drängt

Die Zeit für eine Sanierung der AG drängt. Deshalb finden laut Kalbermatten auch Gespräche mit potenziellen Investoren aus der Branche statt. Namen könne er derzeit keine nennen. Die Interessenten hätten einen berechtigten Anspruch auf Diskretion. In Saas-Fee stelle man aber mit Freude fest, «dass unsere Bahnen nach wie vor als begehrte Braut angesehen werden». Finden sich neue Partner, ist offensichtlich, dass seitens der Investoren auch im Verwaltungsrat Einfluss genommen wird. Eine Aufstockung des heutigen Dreierteams an der kommenden ausserordentlichen Generalversammlung wird die logische Folge sein. Die neuen Geldgeber dürften dann wohl auch den Präsidenten stellen.

Gemeinde bleibt Aktionärin – eventuell mit
tieferem Besitz-Anteil

Das Feld für die künftigen Besitzerverhältnisse bezeichnet Kalbermatten als offen. Die Gemeinde werde als Aktionärin in der Gesellschaft sicher immer vertreten bleiben. Zu eng seien Bahn und Gemeinde miteinander verwoben. Über die Höhe des AK-Pakets lasse sich aber durchaus diskutieren. «Die Gemeinde könnte auch mit einer kleineren Beteiligung leben. Wir haben schon bei der letzten AK-Erhöhung nicht mehr mitziehen können», sagt Kalbermatten. Bei einem Cashflow von zwei Millionen Franken seien der Gemeinde finanztechnisch die Hände

gebunden.

Kritik an Direktor Flaig –Rücktritt für Verwaltungsrat kein Thema

Operativ läuft das Geschäft derweil gut. Das anhaltend herrliche Sommerwetter sorgt für einen regen Bahnbetrieb, auf Mittelallalin funktioniert der Sommerskibetrieb wie gehabt. Rainer Flaig habe zugesagt, das Unternehmen trotz der Verabschiedung aus dem Verwaltungsrat mit vollem Einsatz weiterzuführen, sagt Kalbermatten. Wenn er sich mittelfristig Gedanken über eine Veränderung mache, sei das nichts als legitim. Ein Rücktritt sei derzeit aber kein offensichtliches Thema. Auch wenn dies Kreise in Saas-Fee inzwischen fordern und Flaig verschiedenste Fehler vorwerfen.

«Die Saastal-
Bahnen sind für Investoren nach wie vor eine begehrte Braut»Roger Kalbermatten
Gemeindepräsident Saas-FeeThomas Rieder19. Juli 2018, 03:00

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein