GV SAASTAL BERGBAHNEN | Rekordverlust und keine Decharge für Zurbriggen und Flaig Tag der Abrechnung – Walliser Bote 29.3.2019

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Quelle: https://www.1815.ch/news/wallis/aktuell/tag-der-abrechnung-70486/

Blick nach vorne. Markus Schröcksnadel, neuer Hauptinvestor der Saastal Bergbahnen, möchte die alten Geschichten ruhen lassen und das Unternehmen wieder zurück in die Gewinnzone führen.
Foto: Walliser Bote

Saas-Fee | Im Zuge der Rekapitalisierung der Saas-Fee Bergbahnen schrieb das Unternehmen im Geschäftsjahr 2017/18 einen Rekordverlust von über 16 Millionen Franken. Aber auch das Betriebsergebnis selbst fiel auffallend schlecht aus.

Die 218 Aktionäre taten ihren Unmut an der gestrigen GV in der Turnhalle von Saas-Fee kund und erteilten Pirmin Zurbriggen, ehemaliger VR-Präsident, sowie Rainer Flaig, ehemaliger CEO und Verwaltungsrat, keine Entlastung.

Aktionäre mussten bluten

Der Verlustvortrag der Vorjahre betrug 3,85 Millionen und der aufgelaufene ordentliche Verlust im Geschäftsjahr 2017/18 belief sich auf 4,31 Millionen. Durch die notwendigen Wertberichtigungen im Rahmen der Rekapitalisierung des Unternehmens schwoll der Verlust um weitere 12,04 Millionen auf 16,35 Millionen an. Das ist nicht nur in der Geschichte der Saastal Bergbahnen einmalig, sondern auch für den neuen VR-Präsidenten und Hauptinvestor Peter Schröcksnadel. Dieser führte im Laufe seiner langen Karriere zwar schon etliche Bergbahnunternehmen. Doch einen solch hohen Verlust hatte er noch nirgends verbuchen müssen.

Zur Deckung dieses Verlusts sowie zur Beseitigung des Verlustvortrags wurden bereits an der ausserordentlichen GV vom 29. Oktober 2018 die bestehenden gesetzlichen Kapital- und Gewinnreserven von sechs Millionen aufgelöst sowie einem Kapitalschnitt von 50 Prozent auf 14,2 Millionen Franken zugestimmt. Gleichzeitig wurde das Aktienkapital um 6,2 auf 20,4 Millionen erhöht.

«Die bestehenden Aktionäre mussten einen empfindlichen Verlust ihres Aktienkapitals von 50 Prozent in Kauf nehmen. Das war leider unumgänglich, um in eine Zukunft ohne Verlustvorträge zu starten», hält Peter Schröcksnadel in seinem ersten Jahresbericht fest. Das Geschäftsergebnis habe sich in den verbleibenden drei Monaten seit dem Zwischenabschluss nur minimal verändert, sodass unter Berücksichtigung der getroffenen Sanierungsmassnahmen ein kleiner Jahresgewinn von 68 000 Franken ausgewiesen werden konnte. Hierbei sei erwähnt, dass der neue Verwaltungsrat, bestehend aus Peter und Markus Schröcksnadel, Edmond Offermann, Simon Bumann und Oscar Supersaxo, in dieser Zusammensetzung im vergangenen Geschäftsjahr nicht mal drei ganze Tage im Amt war. Er wurde an der ausserordentlichen GV vom 29. Oktober 2018 gewählt. Das Geschäftsjahr der Saastal Bergbahnen endet immer auf den 31. Oktober. Die Verwaltungsräte Offermann und Supersaxo sind indessen schon länger im Amt.

Der Hammerdeal und seine Auswirkungen

Unter dem Strich musste das Geschäftsjahr – primär aufgrund der Entwicklung der Wintercard – mit einem ausserordentlich schlechten Jahresergebnis abgeschlossen werden, wie CEO Urs Zurbriggen bilanziert: «Der Umsatz fiel um 3,88 Millionen auf 25,14 Millionen, was einem Rückgang von 13,37 Prozent entspricht. Dies, obwohl durch die teilweise Integration der Berggastronomie der Umsatzrückgang abgeschwächt werden konnte.» Insbesondere die Entwicklung beim Schneesportertrag von 20,89 Millionen im Vorjahr auf 17,76 Millionen sei dramatisch gewesen.

Zurbriggen führt das hauptsächlich auf zwei Gründe zurück: «Erstens musste beim Ertrag der Wintercard gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 2,49 Millionen (–20,1 Prozent) hingenommen werden. Das geplante Verkaufsziel wurde deutlich nicht erreicht; auch nicht durch die Erweiterung der Wintercard auf das Skigebiet Hohsaas. Der anteilsmässige Umsatz musste dem Nachbarunternehmen aus Saas-Grund abgetreten werden.» Aus unternehmerischer Sicht wäre die Integration von den Bergbahnen Hohsaas deshalb eine bedeutende finanzielle Belastung gewesen. Zudem hätten die Schliesstage im Winter (durch Wetterkapriolen) bei den Schneesportprodukten an der Tageskasse zu einem Ertragsrückgang von 0,7 Millionen (–12,5 Prozent) geführt.

Zweitens konnte der Ertragsrückgang kostenseitig nicht aufgefangen werden, sondern es mussten gar Mehrkosten verzeichnet werden. «Problemverursacher waren die Hauptaufwendungen aufgrund der massiven Schneefälle und die daraus entstandenen Mehrkosten bei Personal und Energie von 0,7 Millionen sowie die Fehlentscheidung in Bezug auf die Wintercard und die damit verbundenen exorbitanten Marketingkosten», so Zurbriggen. Zusammenfassend sei die Wintercard aus Sicht der Unternehmung nicht erfolgreich gewesen.

So fiel das EBITDA auf ein historisches Tief von 4,32 Millionen Franken. In der Folge zeichnete sich ein Liquiditätsengpass ab und die Unternehmung geriet betriebswirtschaftlich in arge Schieflage. Die Sanierung des Unternehmens, wie im Bericht von Schröcksnadel dargelegt, wurde damit unumgänglich.

Sommergeschäft als kleiner Lichtblick

Simon Bumann, Vizepräsident und Mitglied des Präsidialausschusses, dem auch Peter und Markus Schröcksnadel angehören, merkt an, dass immerhin das Sommergeschäft erfolgreich war: «Die Strategie, sich als Sommer-Schneesport-Kompetenzzentrum für Wintersportler zu etablieren, zeigt Wirkung. Die Produktpalette wurde in den letzten vier Sommern kontinuierlich ausgebaut.

So konnten wir den Umsatz im Bereich Schneesport Sommer in den letzten vier Jahren um 30
Prozent steigern. Im Vergleich zum bereits starken Vorjahr betrug das Umsatzwachstum hier 3,3 Prozent.

Harsche Kritik von den Aktionären

Die Jahresrechnung wurde schliesslich mit 99,9 Prozent Ja-Stimmen verabschiedet. 100 Prozent Zustimmung gab es bei der Wahl der neuen Revisionsstelle (Balmer-Etienne AG aus Luzern). Markus Schröcksnadel, der die GV in Abwesenheit seines kurzfristig erkrankten Vaters Peter leitete, meinte, es wäre an der Zeit, jetzt nach dem neu zusammengesetzten Verwaltungsrat auch eine neue Revisionsstelle zu bestimmen. Damit besänftigte er die kritischen Stimmen, die an der GV monierten, der alte Verwaltungsrat hätte den Abschreibungssatz immer mehr nach unten geschraubt, um das Betriebsergebnis zu beschönigen. Und die alte Revisionsstelle hätte darauf in ihren Berichten nicht hingewiesen.

Weitere Aktionäre meldeten sich zu Wort und beklagten, dass unter der alten Geschäftsführung Gilberto Loacker, Projektleiter Wintercard, sowie die Burger- und Munizipalgemeinde Saas-Fee Wintercards in Höhe von insgesamt über drei Millionen Franken gekauft hätten, um die kritische Masse der verkauften Abos künstlich zu erreichen. So hätte man den Aktionären falsche Zahlen vorgegaukelt und damit den Karren wissentlich an die Wand gefahren.

Aber auch punkto Schlussabrechnung der neuen Spielbodenbahn hagelte es Kritik. Die Kosten dafür wären demnach viel zu hoch gewesen. Und vor allem die Honorare für die Architekten und Ingenieure wären in keinem Verhältnis gestanden.

Summa summarum staute sich bei den Aktionären viel Misstrauen an. Daran vermochten Bumann und Schröcksnadel mit ihren Erklärungsversuchen nichts zu ändern. Dies zeigte sich denn auch in den Abstimmungen. Seitens der Verwaltungsräte wurde einzig den beiden Schröcksnadels und Bumann einstimmig Decharge erteilt. Offermann wurde mit 92,35 Prozent Ja-Stimmen entlastet, Supersaxo mit 97,85 Prozent Ja-Stimmen.

Von den ehemaligen Verwaltungsräten bekam derweil nur Roger Kalbermatten, Gemeindepräsident von Saas-Fee, die Decharge; dies mit 95,66 Prozent Ja-Stimmen. Die dickste Quittung erhielt indessen Rainer Flaig mit 97,72 Prozent Nein-Stimmen. Für Pirmin Zurbriggen gabs zwar nur 3,33 Prozent Nein-Stimmen, dafür aber 84,62 Prozent Enthaltungen. Und diese werden, wie Bumann erklärte, bei einer solchen Abstimmung als Nein-Stimmen gewertet.

Der neu zusammengesetzte Verwaltungsrat wurde schliesslich für die nächsten drei Jahre bestätigt; die Schröcksnadels und Bumann wiederum einstimmig und Offermann und Supersaxo mit 99,82 beziehungsweise 99,41 Prozent Ja-Stimmen.Martin Kalbermatten29. März 2019, 04:00

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