Der «Hammerdeal» von Saas-Fee holt Pirmin Zurbriggen ein – Tagesanzeiger

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12.4.2019

Das 222-Franken-Abo trieb die Bergbahnen in Saas-Fee an den Rand des Ruins. Das könnte nun Folgen für den Ex-Verwaltungsratspräsidenten haben.

https://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/der-hammerdeal-von-saasfee-holt-pirmin-zurbriggen-ein/story/23092722

Die Walliser Skilegende Pirmin Zurbriggen bekommt den Unmut der Aktionäre zu spüren. Foto:
Sebastien Agnetti (13 Photo)

In Saas-Fee ist ein erbitterter Streit ausgebrochen. Im Mittelpunkt stehen die Saastal
Bergbahnen AG. Dessen frühere Führung mit Verwaltungsratspräsident Pirmin
Zurbriggen und Direktor Rainer Flaig hat die Wintersportbranche mit einem
Saisonabo für nur 222 Franken aufgewirbelt. Die Aktion führte jedoch zu einem
Millionenloch in der Kasse des Unternehmens. Schliesslich musste es im Oktober
durch die österreichische Schröcksnadel-Gruppe gerettet werden. Diese drückte
einen Kapitalschnitt durch, die Aktionäre mussten 50 Prozent abschreiben.

An der Generalversammlung der Bergbahnen vom 28. März gab es die Quittung: Die
Aktionäre verweigerten Pirmin Zurbriggen und Rainer Flaig die Entlastung. Ihnen
droht nun eine Verantwortlichkeitsklage. Sie könnten für die Schäden belangt
werden, die dem Unternehmen in ihrer Amtszeit entstanden sind. Unter den
Kleinaktionären bespreche man sich derzeit, ob eine solche Klage eingereicht werde,
sagt Aktionär Bernhard Pfammatter.


Vorwurf der Misswirtschaft
Die Vorwürfe an Zurbriggen und Flaig sind happig. Drei Aktionäre sprechen von
Misswirtschaft und Täuschung. Hintergrund sind neue Fakten rund um die 2016
gestartete Crowdfunding-Aktion für den Saisonpass Wintercard. Damals hiess es, der
sogenannte «Hammerdeal» komme zustande, falls bis Ende November 99’999
Tickets verkauft würden. Obwohl offiziell nur 75’000 Abos verkauft wurden, erklärte
man die Aktion für gültig.
Längst nicht alle Abos wurden jedoch von Skifahrern erworben, wie nun bekannt
wurde. Die Macher der Aktion schönten mit Eigengeschäften die Zahlen. So hat die
für das Crowdfunding verantwortliche Partnerfirma, die in Pfäffikon SZ ansässige
Mountain Marketing AG, 10’000 Wintercards gekauft und 2,1 Millionen Franken
bezahlt. Auch die Gemeinde Saas-Fee erwarb für 1,3 Millionen Franken 6000 Abos.
Gegenüber der Öffentlichkeit und den Aktionären wurde dieser Kniff verschwiegen.
«Dieses Vorgehen grenzt meines Erachtens an Betrug», sagt Bernhard Pfammatter.
«Ohne die Irreführung der Aktionäre wäre es nicht zum ‹Hammerdeal› gekommen.»
An der General-versammlung beklagten sich mehrere der 218 anwesenden Aktionäre
über die heimlichen Abokäufe, wie der «Walliser Bote» schrieb.


Bumann: «Vorgehen war nicht illegal»
Im Verwaltungsrat der Bergbahnen sitzen heute neue Leute. Pirmin Zurbriggen und
Rainer Flaig traten Mitte letzten Jahres zurück. Hinzu kamen Peter und Markus
Schröcksnadel als Vertreter des neuen Hauptaktionärs sowie Simon Bumann,
künftiger Direktor der Bergbahnen.
Bumann bestätigt die geschilderten Käufe, sagt aber: «Das Vorgehen war nicht
illegal.» Das Ganze sei als Anschubfinanzierung gedacht gewesen, um das
Crowdfunding in Schwung zu bringen. Eine transparente Abrechnung, wie von
Aktionären gefordert, will der Verwaltungsrat nicht offenlegen.


Gemeinde mischte mit
Bei der Gemeinde Saas-Fee heisst es, dass von den 6000 Saisonpässen nur 716
weiterverkauft wurden. Den Rest habe man zulasten der Gemeindekasse verbucht.
Gemeindepräsident Roger Kalbermatten erklärt, der Gemeinde- und der Burgerrat
hätten das Geld wegen

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