Saastal Bergbahnen AG – Wenn aus einem „Hammerdeal“ ein Bumerang wird

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Es ist schon eine Weile her, dass sich Pascal Schär und Rainer Flaig als die grossen Superhelden im Saastal feiern liessen. Und der ehemalige Verwaltungsratspräsident Pirmin Zurbrüggen feierte mit. Von der Feierstimmung aus 2016 und 2017 ist derweil nicht viel übrig geblieben. Auf jeden Fall nicht bei den Aktionären, die aus der Saison 2017/2018 einen Rekordverlust hinnehmen mussten. Mit insgesamt über 16 Millionen Franken fuhr die Saastal Bergbahnen AG ein Verlustergebnis ein, das in dieser Höhe noch nie dagewesen ist. Derweil verdrückte sich der Hauptakteur des Desasters klammheimlich nach Andermatt und lässt sich dort weiter auf den wackligen Thron des Unternehmensretters hieven, hoffentlich mit der Klarheit, dass er das niemals gewesen ist.

Wintercard als Verlustbringer

Äusserst interessant in diesem Zusammenhang ist, das unter der Federführung von Rainer Flaig damals die besonders vergünstigte Wintercard im Abo als Heilsbringer etabliert und gefeiert wurde. Dabei haben damals schon Persönlichkeiten aus der Marketingbranche, so beispielsweise der Vermarktungsexperte Beat Ambord, deutlich davor gewarnt. Dass dieses Konzept der Schnäppchenpreise für die Skipässe nur nach hinten losgehen kann, war allen klar, die sich etwas tiefer mit der Materie befasst haben und bereits eine gute Verbindung zum Saastal hatten. Allein der Umstand, dass mit der Mountain Marketing AG ein österreichisches Vermarktungsunternehmen sich mit dem Marketing im Saastal beschäftigte, liess dazumal die warnenden Stimmen verlautbaren, dass das so nicht gut gehen kann.

Dennoch lobten sich Schär und Flaig für ihren „ach so tollen Wurf“, bezeichneten den sogar als „Hammerdeal“, der sich jetzt jedoch als schmerzhaft zurückkehrender Bumerang erweist. An kompetenter Stelle wurde sogar gemunkelt, ob es hier nicht um Betrug gehe. Immerhin gab es weder einen vernünftigen Grund noch eine zwingende Sachlage, Wintersportangebote im Saastal zum Schnäppchenpreis zu verhökern.

Denkbar ist sogar, dass Flaig in enger Verbindung mit den Österreichern der Mountain Marketing AG die lästige Konkurrenz aus dem Saastal wirtschaftlich beschädigen wolle, was schlussendlich auch in beeindruckender Weise gelungen scheint. Und dabei liessen sich über die Kosten für das Marketing noch eine Unmenge Schweizer Franken in die Kassen der Österreicher umlenken.

Smart Marketing Engine wurde für Verlustgeschäft missbraucht

Mit den Marketingverantwortlichen im Saastal wurde seinerzeit die sogenannte Smart Marketing Engine als Vermarktungsplattform für die in der „Freien Ferienrepublik Saas Fee“ zusammengeschlossenen Tourismusanbieter im Saastal entwickelt. Diese Plattform erlaubte eine Vermarktung der Ferienangebote im Saastal in einem grossartigen Verbund und liess auf hervorragende Ergebnisse hoffen.

Flaig und Schär hingegen haben diese Smart Marketing Engine dazu missbraucht, ihre eigenwilligen Ideen vom Wintersport zum Discounterpreis im Saastal zu bewerben und an die Kunden zu bringen. Dabei schien es auch nicht abwegig, mit falschen Zahlen zu operieren und gar Verkäufe zu kommunizieren, die so gar nicht stattgefunden haben. Dabei rühmte man sich stets exorbitanter Verkaufszahlen innerhalb kürzester Zeit, die sich allerdings schon bei der blossen Betrachtung der Konversion auf den online Plattformen als wenig glaubwürdig erwiesen. Alter Artikel vom 6. Januar 2017 https://bit.ly/30pVf7b

Dennoch waren es nicht wenig Aktionäre und auch der ehemalige Verwaltungsratspräsident Pirmin Zurbriggen, die den Deal mit den Österreichern bejubelten und dabei einen neuen Stern am Himmel wähnten. Dass sich dieser jetzt als hart auftreffender Komet erweist ist nicht verwunderlich. Auch wenn er sich seinerzeit mit dem glanzvollen Schweif gewinnversprechender Umsatzsteigerungen schmücken durfte.

Operation am offenen Herzen

Was jetzt folgt, ist eine schmerzhafte Operation am offenen Herzen der Tourismusbranche im Saastal. Und das ohne Betäubung, es sei denn, die von einem Verlust von um die 50 Prozent schwer gebeutelten Aktionäre giessen sich mit einem guten Walliser Wein den Schmerz regelrecht hinter die Binde.

Als leitender Operateur wird wohl der neue Verwaltungsrat unter Peter Schröcksnadel herhalten müssen. Dabei wird sich auch der Gemeinderatspräsident von Saas Fee, Roger Kalbermatten, am schwierigen Eingriff beteiligen müssen. Selbst wenn Flaig von der Aktionärsversammlung nicht entlastet wurde, bleibt auch für Pirmin Zurbriggen mit über 84% Enthaltungen bei der Entlastung des alten VR der bittere Beigeschmack, auf einen österreichischen Marketing Scharlatan (Gilberto Loacker) hereingefallen zu sein. Immerhin gab es ausreichend warnende Stimmen, die jedoch angesichts vorgeblicher Vermarktungserfolge mit dem Wintercard Abo damals wohl keiner so recht hatte hören wollen. Und Verschleierung von tatsächlich nicht so tollen Zahlen gehörte damals wohl zum Handwerkszeug der angeblichen Spezialisten um Rainer Flaig und die Mountain Marketing AG.

Was Flaig und Schär jetzt mit ihren Zahlen aus dem Saastal in Andermatt anfangen wollen, bleibt fraglich. Weniger fraglich ist, dass dort wohl der Ausverkauf von Ehre und Anstand weitergehen wird, wenn auf solche windigen Gestalten gesetzt wird. Ob dann letztlich der strafrechtliche Begriff von Betrug angebracht ist, bleibt offen. Weniger offen ist, dass Zurbriggen, Flaig und Schär mit der Mountain Marketing AG und dem „Hammerdeal“ Wintercard Abo aus 2016 bis 2018 der gesamten Ferienregion im Saastal einen schweren Schaden zugefügt haben. Wie lange jetzt die Erholungsphase dauern und ob diese überhaupt erfolgreich sein kann, hängt nicht unwesentlich davon ab, wie es dem neuen Verwaltungsrat der Saastal Bergbahnen AG gelingt, in ruhigere Fahrwasser zu kommen und das Saastal wieder als das zu vermarkten, was es eigentlich ist – kein Winterschnäppchen für „Hammerdeals“, sondern eine Perle im Wallis.

Und vielleicht überlässt man die Vermarktung nicht wieder geldhungrigen Vermarktern aus Österreich, sondern greift besser und im Endeffekt preisgünstiger und wirkungsvoller auf die Marketingexperten zurück, die im Wallis praktisch um die Ecke sitzen. Man muss das nur wollen und verstehen.

Hoffentlich bleibt Andermatt der Ruin erspart

Mit dem Wechsel von Rainer Flaig nach Andermatt sind einige Hoffnungen für die Skiregion in der Zentralschweiz verbunden. So meint man dort: «Rainer Flaig hat in Saas-Fee bewiesen, dass er den Markt gut einschätzen kann und mit innovativen Massnahmen ein Produkt erschaffen hat, das nicht nur mehr Gäste ins Skigebiet gebracht hat, sondern von dem die ganze Destination profitieren konnte.“ Das jedenfalls glaubt Samih Sawiris, der ägyptische Verwaltungsratspräsident der Andermatt-Sedrun Sport AG. Wenn das mal kein Irrtum ist. Denn wie die Destination Saas Fee von der Arbeit eines Rainer Flaig und Gesinnungsgenossen „profitieren“ konnte, hat sich mittlerweile hinlänglich gezeigt. Das stellt selbstredend auch die „innovativen Massnahmen“ und das „Produkt“ in Frage, dass Flaig, Schär und Zurbriggen in Saas Fee „erschaffen“ haben. Wir wünschen den Menschen in Andermatt jedenfalls kein so schreckliches Erwachen aus einem guten Traum wie den Aktionären der Saastal Bergbahnen AG in Saas Fee. Weil der gute Glaube doch manchmal das letzte ist, was bleibt.

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