BERGBAHNEN | Investorensuche bei den Saastal Bergbahnen von Erfolg gekrönt Tiroler übernehmen in Saas-Fee – Walliser Bote 5.10.2018

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Quelle: https://www.1815.ch/news/wallis/aktuell/tiroler-uebernehmen-in-saas-fee-29135/

So gehts weiter. Markus Schröcksnadel erläutert an der Seite von Simon Bumann, Roger Kalbermatten und Urs Zurbriggen (von rechts) seine Pläne. Im Hintergrund mittels Video zugeschaltet Edmond Offermann.Foto wb

Leere Kassen, Rücktritte im Verwaltungsrat, verunsicherte Mitarbeiter, Misstöne wegen einer Bauabrechnung, unliebsame Medien, intransparente Kommunikation und schweigende Geldgeber. Bei den Bergbahnen im Saastal gehts derzeit drunter und drüber.

SAAS-FEE | Mit der Schröcksnadel-Gruppe aus Innsbruck steigt in Saas-Fee ein neuer Geldgeber mit vorerst zwölf Millionen Franken ein. Die bisherigen Hauptaktionäre Edmond Offermann sowie Munizipalgemeinde sind erleichtert.

Thomas Rieder

Der Amerikaner Edmond Offermann hält aktuell ein Aktienpaket von 32,6 Prozent und ist damit grösster Einzelaktionär. Mangels Aussicht auf die absolute Mehrheit will er sich nun davon in Etappen lösen. In einem ersten Schritt soll sich durch einen Kapitalschnitt von 50 Prozent auf 14,2 Millionen Franken mit anschliessender AK-Erhöhung um 6,2 Millionen seine Beteiligung auf 22,7 Prozent reduzieren. Mit dem neuen Investor wurde eine Vereinbarung unterzeichnet, dass dieser die verbleibenden 22,7 Prozent in den nächsten zwei Jahren übernehmen kann.

Die Gruppe Schröcksnadel lanciert ihren Einstieg in Saas-Fee aufs Erste bei der AK-Aufstockung, indem sie sechs Millionen Franken zeichnet und weitere sechs Millionen als Darlehen für die zwingend notwendige Reduktion des Fremdkapitals einschiesst. Die Gemeinde wird ihr Paket auf 21,5 Prozent (bisher 31 Prozent) reduzieren.

Absolute Mehrheit 
für neuen Investor

Mit dieser Übung, die an einer ausserordentlichen GV am 29. Oktober 2018 durchgezogen wird, wird für den neuen Investor ein Paket von 29,4 Prozent frei. Nach der Übernahme der Offermann-Aktien werden die Schröcksnadels mit 52,1 Prozent die absolute Mehrheit haben. Das ist in ihrem Sinn, «denn wenn wir investieren, wollen wir auch das Sagen haben». Markus Schröcksnadel sagte das gestern an einer Medienorientierung in Bern unumwunden. Die Gruppe beansprucht im fünfköpfigen Verwaltungsrat neben dem Präsidium einen zweiten Sitz. Zur Wahl stellen sich Ende Oktober Vater Peter und Sohn Markus Schröcksnadel. Das Quintett soll neben den bisherigen Edmond Offermann und Treuhänder Oscar Supersaxo durch Simon Bumann, den ehemaligen langjährigen Tourismusdirektor von Saas-Fee, komplettiert werden. Er hat in den letzten Wochen als Leiter des erweiterten Verwaltungsratsausschusses massgebliche Arbeit geleistet am jetzt vorliegenden Konstrukt. Bumann wird als Vertreter der Gemeinde im VR Einsitz nehmen.

Mitspracherecht erhalten

Die übrigen Aktionäre werden von der aufgegleisten Strategie Kenntnis zu nehmen haben. Nachdem sich Gemeinde und Offermann im Gegensatz zur chaotischen GV vom 13. April 2018 diesmal einig sind, sind die Mehrheitsverhältnisse gegeben. Ob Offermann als Investor in der Gastronomie (Hotel Glacier, Hotel Dom) Saas-Fee längerfristig erhalten bleibt, wird die Zukunft weisen. Seine Frau und sein Sohn sehen sich weniger als Touristiker.

Die Gemeinde Saas-Fee will ihr künftiges Mitspracherecht durch Statutenänderungen gewährleisten. Bei fünf Verwaltungsräten stehen dem Ort zwei Sitze zu, bei sieben VR-
Sitzen deren drei; solange ihr 
Aktienanteil nicht unter 15 Prozent fällt. Zudem soll 
für Statutenänderungen eine Zweidrittelmehrheit erforderlich werden. Das würde auch einem Mehrheitsaktionär nicht die uneingeschränkte Handlungsfreiheit lassen.

Frische Zuversicht

Die Familie Schröcksnadel hat keine Bedenken, dass sie mit den Leistungsträgern vor Ort nicht den Rank findet. Sie anerkennt die örtlichen Strukturen und will eine Politik der Integration betreiben unter Einbringung ihrer langjährigen, hohen Kompetenzen im Betrieb von Skigebieten. Das werde auch in anderen Skidestinationen so gelebt, sagte Schröcksnadel.

Die Vorstellung des neuen Investors liess bei den in Bern vertretenen Leistungsträgern von Saas-Fee Zuversicht aufkommen. Gemeindepräsident Roger Kalbermatten sagte, «dass wir im Dorf nicht mehr die finanzielle Kraft aufbrachten, die Bahn auf Vordermann zu bringen». Man sei deshalb froh um das Engagement der Schröcksnadels. Der mittels Videokonferenz aus Sarajevo zugeschaltete Edmond Offermann schien ebenfalls erleichtert. Er hat nun einen Abnehmer, den er als professionell und weitsichtig lobte.

Ein Sanierungsfall

Dass sich die Saastal Bergbahnen trotz – oder gerade wegen – ihrer Billigstrategie in den letzten Jahren zu einem Sanierungsfall entwickelt haben, wird inzwischen eingeräumt. Gestern war von sich abzeichnenden Liquiditätsengpässen schon für den kommenden Winter die Rede. Die Saastal Bergbahnen müssen also saniert werden. Der neue Investor steht bereit und wird entsprechende Manpower nach Saas-Fee beordern. Was das etwa in der operativen Führung für Konsequenzen mit sich bringt, werden die nächsten Wochen zeigen. Für den rekonvaleszenten CEO Rainer Flaig führte zuletzt Urs Zurbriggen das Unternehmen. Schröcksnadel junior machte schon mal die Vorgabe: «Wir wollen das Unternehmen möglichst rasch in die Gewinnzone zurückführen.»

Die Schröcksnadels

Peter Schröcksnadel (77) baute in Österreich in nunmehr 53 Jahren eine beeindruckende Unternehmung auf, die er heute zusammen mit seinem Sohn Markus (53) führt. Die Schröcksnadel-Gruppe ist in Österreich an acht Skigebieten über die Vereinigten Bergbahnen GmbH bestimmend beteiligt, zudem seit 2011 auch in Savognin GR. 620 Angestellte betreiben in der Summe 101 Anlagen.

Weitere 180 Personen sind bei der feratel media technologies AG und deren Sitour Tochtergesellschaft beschäftigt. Die feratel bietet Lösungen in den Bereichen Telekommunikation (TELE), Informations- und Reservierungssysteme (ISR) und Medien an. Die Unternehmung mit Sitz in Innsbruck ist weltweit tätig. Geschäftszahlen werden keine bekannt gegeben.Thomas Rieder05. Oktober 2018, 03:00

Währenddem die Skiwelt auf Pulverschnee und perfekt präparierte Pisten hofft, brodelt es hinter den Kulissen der beiden Saaser Bergbahngesellschaften heftig. In Saas-Grund befinden sich die Hohsaas Bergbahnen in der Nachlassstundung, und der erst seit einigen Wochen gewählte Verwaltungsrat tritt bekanntlich geschlossen zurück. Angesichts der schwierigen Situation scheinen die Nerven blank zu liegen: Die Grunder wollen «in Ruhe arbeiten» und laden die Medien an der nächsten Generalversammlung kurzerhand aus. Man wolle darauf verzichten, dass die Presse dabei sei, teilen die Verantwortlichen schriftlich mit. Trotz stetiger Beteuerungen der Führungsetage auf Rettung scheint die Zukunft des Unternehmens mehr als fraglich.

Wintercard als Knackpunkt

Vor nicht minder grossen Herausforderungen steht man in Saas-Fee. Mitunter im Fokus: der «Hammerdeal». Vor drei Jahren als «Revolution der Abopreise» angepriesen, hat die «Wintercard» (so wird sie mittlerweile genannt) seither an Strahlkraft verloren. Trotz des nicht erreichten Ziels von 66 666 verkauften Karten ist der Deal diesen Winter noch einmal zustande gekommen. Wie viele Karten aber tatsächlich verkauft wurden, halten die Ver­antwortlichen unter Verschluss. Pikant: Im Dorf kursiert das Gerücht, die Zahl der verkauften Karten liege tatsächlich aber noch tiefer als die effektiv verkauften Tickets. Denn: Beim Start der Aktion vor drei Jahren wurden auch Mehrjahreskarten zum Verkauf ange­boten, deren verkaufte Anzahl nun jährlich dazugezählt worden sei. Dies, um die Aktion «positiver» erscheinen zu lassen. Tatsächlich: Ad- interim-Bergbahn-CEO Urs Zurbriggen bestätigt auf Anfrage, dass die Mehrjahreskarten bei der alljährlichen Zählung miteinbezogen und buchhalterisch entsprechend verbucht wurden. Wie Saas-Fee seine Abopreise künftig gestalten wird, bleibt demnach abzuwarten.

Juristisches Nachspiel?

Für Unruhe sorgt auch die vor zwei Jahren eröffnete Spielbodenbahn, welche fast 20 Millionen Franken gekostet hat. Für mehrere Branchenkenner ist das zu viel. Vergleichbare Bahnen hätten weitaus weniger gekostet. Vor dem Hintergrund, dass das Projekt von der öffentlichen Hand unterstützt wurde und dem Einwand der Branchenkenner, drängen sich Fragen auf. Wie beispielsweise: Auf welcher Basis wurde das Darlehen des kantonalen Tourismusfonds bewilligt? Fragen dazu wurden von Aktionären auch schon verschiedentlich gestellt und es wurde Einblick in die detaillierte Schlussabrechnung verlangt, offenbar ohne Erfolg, wie es heisst. Zwischenzeitlich interessiert sich auch die Politik für das Thema: Staatsrat Christophe Darbellay hat auf eine Intervention eines Grossrats geantwortet und schriftlich bestätigt, dass das Darlehen auf Basis der eingereichten Unterlagen von 19,9 Millionen Franken gewährt wurde. Er wolle nun weiterführende Abklärungen treffen, sagt der Parlamentarier auf Anfrage. Für den Fall, dass tatsächlich ungerechtfertigterweise zu viele Subventionen bezogen worden wären, stellt sich die Frage der Aufsichtspflicht und wo die Gelder geblieben sind.

Chefs schweigen

Von den Verantwortlichen ist dazu nichts zu erfahren. «Fragen in Zusammenhang mit finanziellen Details sind verfrüht und werden daher aktuell nicht beantwortet. Es wäre unseriös», lassen die neuen ­Investoren Peter und Markus ­Schröcksnadel ausrichten. Aber: Man werde sich in den nächsten Monaten einen detaillierten und authentischen Überblick verschaffen. Und wie schätzen die restlichen Verwaltungsratsmitglieder die Situation ein? Auch sie geben entweder keine Auskunft, verweisen für die Kommunikation auf andere VR-Mitglieder oder aber machen Ferien. Weniger entspannt erleben die Mitarbeiter die derzeitige Situation. Hinter vorgehaltener Hand macht man sich Sorgen um die Zukunft. Schliesslich ist auch noch die Direktorenfrage offen. Urs Zurbriggen amtet derzeit ad interim, Amtsin­haber Rainer Flaig ist seit Längerem krankgeschrieben und soll das Unternehmen nach letzten Informationen angeblich per 30. November verlassen.Peter Abgottspon29. November 2018, 05:00

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