BERGBAHNEN | Rainer Flaig kehrt nach acht Jahren den Saastal Bergbahnen den Rücken Flaigs Abgang macht den Neubeginn möglich Walliser Bote 27.10.2018

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Quelle: https://www.1815.ch/news/wallis/aktuell/flaigs-abgang-macht-den-neubeginn-moeglich-35072/

Vom Saastal nach Andermatt. Rainer Flaig wirft im Wallisdas Handtuch.Foto wb

Flaig Saas Fee Tourismus

Saas-Fee | Die Saastal Bergbahnen müssen einen neuen CEO suchen. Rainer Flaig verlässt Saas-Fee und wechselt nach Andermatt.

In Andermatt hat man grosse Erwartungen in Rainer Flaig. Man sei froh, einen «ausgewiesenen Experten» als neuen CEO zu gewinnen, teilte man gestern mit. Flaig (56) führte die Saastal Bergbahnen AG seit 2010. Zuvor wirkte er als CEO der Lenzerheide Bergbahnen AG sowie als CEO der Pilatus Bergbahnen AG. Der ausgebildete Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur verfügt über ein Executive MBA der Universität St. Gallen.

Samih Sawiris, Verwaltungsratspräsident der Andermatt-Sedrun Sport AG, sieht grosses Potenzial für die SkiArena Andermatt-Sedrun und sieht für die Entwicklung der Destination Flaig als den richtigen CEO. In einer Mitteilung wurde er wie folgt zitiert: «Rainer Flaig hat in Saas-Fee bewiesen, dass er den Markt gut einschätzen kann und mit innovativen Massnahmen ein Produkt erschaffen hat, das nicht nur mehr Gäste ins Skigebiet gebracht hat, sondern von dem die ganze Destination profitieren konnte.»

Saastal Bergbahnen
sind ein Sanierungsfall

Flaig verlor in den letzten Monaten seitens der Leistungsträger und der Aktionäre immer mehr an Kredit. Flaig hat in Saas-Fee vor zwei Jahren die Aktion «Wintercard für 222 Franken» lanciert. Diese hat viel Bewegung ins Pricing der Bergbahnbranche gebracht. Das Gästewachstum traf zwar ein. Die Branche streitet seither, ob Preisdumping die richtige Antwort auf die rückläufigen Frequenzen ist. Für die Saastal Bergbahnen führte der Hammerdeal vorerst ins wirtschaftliche Desaster.

Denn mittlerweile sind 
die Saastal Bergbahnen ein 
Sanierungsfall. An der ausserordentlichen Generalversammlung von übermorgen Mon-
tag soll das Aktienkapital von 28,4 Millionen Franken auf 14,2 Millionen Franken reduziert werden. Anschliessend erfolgt mittels 6,2 Millionen Franken neuen Geldes die Aufstockung des AK auf 20,4 Millionen Franken. Die Gruppe Schröcksnadel wird sich daran mit einer Einlage von sechs Millionen Franken beteiligen. Weitere sechs Millionen Franken gibt sie in Form eines Darlehens, um den Verlustvortrag auf der neuen Rechnung auszugleichen.

Lange Absenz aus gesundheitlichen Gründen

Flaig hat in Saas-Fee in seiner bald achtjährigen Amtszeit viele Stürme erlebt. Er diente unter mehreren VR-Präsidenten. Angestellt wurde er im Frühjahr 2010 von Claude Bumann, später folgten Marc Nufer, Pirmin Zurbriggen, interimistisch Roger Kalbermatten und am Montag wird wieder ein Neuer übernehmen. Der scheidende CEO, der ab 2016 bis in diesem Frühjahr auch dem VR angehörte, war in den letzten Jahren eine der wenigen Konstanten der Saastal Bergbahnen. Der Druck und die Kritik an ihm wurden immer grösser. Er sei zu wenig vor Ort, werde zu grosszügig honoriert, monierten die Kritiker. Das Jahresgehalt des neuen Direktors wurde 2010 öffentlich gemacht, 230 000 Franken, plus je nach Erfolg maximal 50 000 Franken Bonus. Seine Kritiker zweifelten dies immer an.
Flaig solle zu den Grossverdienern der Branche gehören. Vielleicht schafft ja der künftige Verwaltungsrat an der GV am kommenden Montag Klarheit. In den letzten Monaten war Flaig in Saas-Fee kaum mehr präsent. Er ist seit längerer Zeit krankgeschrieben, vorerst noch bis weit in den November. Im Herbst schied er deshalb aus gesundheitlichen Gründen aus dem Vorstand der Walliser Bergbahnen aus.

Bei den Saastal Bergbahnen wollte man gestern den Abgang Flaigs nicht kommentieren. Mit seinem freiwilligen Abgang zur Andermatt-Sedrun Sport AG kam Flaig aber wohl einer Entlassung zuvor. Damit kann man sich nach der strategischen Neuaufstellung auch operativ neu ordnen. In Saas-Fee wird man erleichtert sein. Flaig wird wie bereits auf der Lenzerheide auch im Wallis vielen nicht in guter Erinnerung bleiben. Auf der Lenzerheide gab es 2010 viel Polemik wegen einer Abgangsentschädigung. Flaig wollte schliesslich nicht als Abzocker gelten, verzichtete auf die besagte Abgangsentschädigung. Er wollte deshalb auch die Stelle in Saas-Fee nicht annehmen. Der Verwaltungsrat der Saas-Fee Bergbahnen AG, wie das Unternehmen damals noch hiess, sprach Flaig jedoch das Vertrauen aus.

Flaigs gute Beziehungen zu Peter Furger

Dass Flaig nun ausgerechnet nach Andermatt wechselt, sorgt in der Branche für Erstaunen. Die Destination Andermatt-Sedrun hat dank des ägyptischen Milliardärs Samih Sawiris enorm viel Geld in die alpine Ski-Infrastruktur investiert. Flaig ist allerdings ein alter Weggefährte von Peter Furger. Er arbeitete bereits bei den Lenzerheide Bergbahnen mit dem Oberwalliser Sanierer und Bergbahnprofi zusammen. Der Visper war später auch bei den Saastal Bergbahnen im VR, riet Flaig 2010, sich in Saas-Fee zu bewerben.

In Andermatt hat Furger in den letzten fünf Jahren die Verbindung der Skigebiete von Andermatt und Sedrun umgesetzt. Ende Jahr übergibt Furger die Projektleitung an Silvio Schmid, bisheriger CEO der Bergbahnen Andermatt-Sedrun. Just jenen CEO ersetzt nun Rainer Flaig. In der gestrigen Mitteilung liessen die Bergbahnen Andermatt-Sedrun den Zeitpunkt der Übernahme Flaigs allerdings noch offen.hbiHerold Bieler27. Oktober 2018, 03:00

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