INTERVIEW | Bruno Ruppen, CEO und VR der Bergbahnen Hohsaas, im Gespräch «Ausstieg aus dem Hammerdeal ist eine Erlösung» – Walliser Bote 16.2.2019

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Quelle: https://www.1815.ch/news/wallis/aktuell/ausstieg-aus-dem-hammerdeal-ist-eine-erloesung-60490/

Zuversichtlich. Bruno Ruppen, VR-Präsident der Bergbahnen Hohsaas, glaubt an eine erfolgreiche Sanierung des Bahnunternehmens.Foto wb/Alain Amherd


Bruno Ruppen, Saas-Fee hat die Übung Hammerdeal abgeblasen. Wie beurteilen Sie diesen Schritt?

«Der Ausstieg aus dem Hammerdeal ist eine Erlösung. Der Preis war einfach viel zu niedrig. Damit hätte man nie und nimmer weiter wirtschaften können.»

Saas-Grund ist dieses Jahr noch im Hammerdeal integriert. Ist der Magic Pass auch eine Option für die Bergbahnen Hohsaas?

«Bis Ende Saison sind wir noch im Hammerdeal drin, das ist richtig. Der Magic Pass wäre auch für uns eine Alternative gewesen. Saas-Fee hatte das Gesuch um Aufnahme im Magic Pass bereits im Januar gestellt, uns aber erst am 1. Februar darüber informiert. Leider viel zu spät. Denn um beim Magic Pass mitmachen zu können, muss das Gesuch spätestens dreissig Tage vor der GV des Magic Passes gestellt sein. Die GV ist am 15. Februar. Ich habe unser Gesuch am 2. Februar gestellt. Die Antwort kam prompt: Wir seien mit unserem Gesuch zu spät.»

Das bedeutet, dass die Bergbahnen Hohsaas in der kommenden Saison 2019/2020 allein aufgestellt sein werden.

«Das ist richtig. Wir werden wieder eigene Abos anbieten. Der Destinationspass bleibt aber bestehen. Wer einen Zwei- oder Mehrtagespass kauft, kann auch in Saas-Fee und Saas-Almagell auf die Piste. Daran ändert sich nichts.»

Die Zusammenarbeit ist folglich nach wie vor gegeben.

«Richtig. Wir sind nach wie vor an einer guten Zusammenarbeit interessiert. Dass man uns nicht orientiert hat, war leider nicht gerade förderlich für die weitere Kooperation. Es ist dasselbe wie beim Hammerdeal vor drei Jahren. Auch damals wurden wir nicht rechtzeitig informiert. In diesem Sinn passiert das Gleiche schon zum zweiten Mal.»

Wie sieht die finanzielle Situation der Bergbahnen Hohsaas AG derzeit aus?

«Wir hatten bisher eine sehr gute Saison und haben schon im Oktober viel Schnee erhalten. Im Dezember und Januar konnten wir die Frequenzen im Vergleich zum Vorjahr steigern. Aber Frequenzen sind eines, das Geld das andere. Immerhin hatten wir deutlich mehr Bargeld-Einnahmen in Höhe von rund 200 000 Franken im Vergleich zu Dezember 2017/Januar 2018.»

Kommen wir auf die Finanzen 
zurück. Die Bergbahnen Hohsaas AG sind derzeit leider nicht in einer rosigen Lage.

«Wir sind mittendrin in der Nachlassstundung. Wenn wir die Nachlassstundung erfolgreich abgeschlossen haben, wird unsere Betriebswirtschaft wieder stimmen.»

Welches sind die Parameter dieser Nachlassstundung?

«Ich darf darüber im Moment nichts sagen. Unser Sanierungskonzept steht. Wir werden alle Gläubiger ins Boot holen. Erst danach können wir kommunizieren.»

Sie schulden rund 3,5 Millionen Franken; bei einem Aktienkapital von 7 Millionen ist das sehr viel. Welches sind die Hauptgläubiger?

«Ich darf diese nicht namentlich erwähnen. Aber unsere grössten Gläubiger sind Lieferanten und Kreditgeber. Bei den Kreditoren geht es um Gläubiger im Bereich bis einige 100 000 Franken, bei den Darlehensgebern sind die Forderungen natürlich grösser.»

Wann findet die Gläubiger-
versammlung statt?

«Ich gehe davon aus, dass wir im Laufe dieses Sommers die Gläubigerversammlung abhalten werden.»

Gehen Sie da guten Mutes rein?

«Ich bin überzeugt davon, dass wir diese Sanierung überstehen werden und ab 2020/2021 wieder schwarze Zahlen schreiben können.»

Ich habe gehört, dass die Bergbahnen Hohsaas die im Boden verlegten Zuleitungsrohre der 
Beschneiungsanlage sanieren müssen. Da steht erneut ein 
dicker Brocken an.

«Das sind Gerüchte. Wir haben heute und morgen keinen Sanierungsbedarf. Mittelfristig ist klar, dass wir unsere Beschneiung punktuell sanieren und erweitern müssen. Derzeit besteht kein Handlungsbedarf. Unsere Beschneiung und auch die restliche Infrastruktur stimmt und funktioniert, wie sie soll.»

Wenn Sie in der nächsten Saison wieder eigene Saisonabonnemente herausgeben, wie hoch werden die Preise sein?

«Das kann ich heute noch nicht sagen. Wir haben die anderen Oberwalliser Stationen unter die Lupe genommen. Die bewegen sich zwischen 500 und 1000 Franken. Wir werden wohl einen Abo-Preis von 400 bis 450 anbieten.»

In Saas-Fee haben Peter und 
Markus Schröcksnadel das Zepter übernommen. Sind Sie schon auf die neuen Besitzer zugegangen?

«Ich habe mich am 6. Dezember 2018 mit Markus Schröcksnadel getroffen. Wir hatten ein sehr gutes Gespräch über mögliche Synergienutzung.»

Ist er offen für eine Zusammenarbeit?

«Ja, dazu zeigte er sich bereit. Um über eine Fusion zu sprechen, ist es freilich noch zu früh.»

Das wäre meine nächste Frage 
gewesen.

«Sehen Sie, ein Kranker und ein Todkranker können nicht fusionieren. Erst müssen beide Unternehmen auf gesunde Beine gestellt werden. Wenn dies erfolgt ist, kann man Gespräche aufnehmen, ob man eine Fusion eingehen möchte.»

Sie würden sich einer Fusion also nicht verweigern?

«Noch vor sechs Jahren habe ich gesagt, dass wir nicht fusionieren wollen. Aber man muss die zeitliche Entwicklung betrachten. Wenn man fusioniert, muss es für die Gemeinde Saas-Grund und für die beiden Bahnunternehmen stimmen. Keiner darf als Verlierer vom Platz gehen. Wenn wir unsere Aufgaben gemacht haben, werden wir uns Fusionsgesprächen sicher nicht verweigern.»

Sie sprechen von Verlierern. Betrachten Sie sich als solchen beim geplatzten Hammerdeal?

«Da sind lauter Verlierer im Spiel. Der marketingtechnische Effekt am Anfang war gewaltig. Man kannte das Saastal kaum noch und plötzlich war das Saastal in aller Munde. Der Start war gut, der Rest ging in die Hose. 222 waren ein Unsinn. Hätte man auf 333 erhöht, wäre es vielleicht gegangen. Aber so haben nur die Hotels und Vermieter profitiert und die beiden Bergbahnen eben nicht.»

Interview: Werner KoderWerner Koder16. Februar 2019, 05:00

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